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Verbindung

vor 4 Stunden
3 Min. Lesezeit

Meine Schimmelstute hat sich mich ausgesucht, das war mal die Basic von ihrem Weg in Verbindung. Ich wollte ihren Weg fotografisch dokumentieren, wenn sie gesund ist, so dachte ich. Und ich bin kurz vor gewesen und jetzt sind alle meine Fotos weg, was meinem Reinigungsverhalten zu Grunde liegt.

 

Ja ich bin jemand, der immer wieder aufräumt und diesmal war es nicht wirklich meine Entscheidung, aber mein Handy war mit den 20000 Fotos überfordert und so habe ich letztendlich alles aus der Vergangenheit gelöscht.

 

Mein Weg mit meiner Stute war meine bis jetzt größte Herausforderung im Leben. Von „am nächsten Tag einschläfern“ bis zur „ausgebildeten Hufpflegerin“ gab es viele Höhen und Tiefen.

 

Ich habe mich oft gefragt, warum musste ich diesen Weg gehen und jetzt bin ich an einem Stand, wo ich sage, dass was ich auf diesen Weg alles erfahren und gelernt habe ist genau das, was man braucht um eine Beziehung zu leben, die auf Augenhöhe ist.

 

Pferd und ich waren oft nicht auf Augenhöhe. Sie ist auch mein größtes Pferd und wenn sie nicht wollte hatte ich keine Chance, was ein Punkt von vielen war, dass sie diese extreme Hufrehe entwickelte.

 

In der Zeit, wo es so ganz krass war, habe ich eher funktioniert als reflektiert oder Muster erkannt welche ich auch habe. Aber dann kam der Tag, wo ich vor ihr stand und erkannte, sche… du spiegelst ja mich mit all meinen Schmerz.

 

Die Hufe wurden sogar recht gut, da in der ersten Zeit die Hufe mein Kollege machte und ich ja noch in Ausbildung war. Die Pferde entschieden dann, wann ich übernehmen sollte.

 

Mein Kollege hatte Kraft, welche mir gänzlich fehlte um dieses Pferd zu halten. Wenn sie stieg musste ich loslassen, Ende.

 

Hufe wurden natürlich wieder schlechter und ich brauchte einen anderen Plan. Ich wusste ich musste es mit Verbindung schaffen. Ich wusste auch ich kann es, da es mit meiner anderen Stute, mit gleicher Herkunft auch funktioniert. Ich schreibe bewusst Herkunft und nicht Aufzucht, weil sich das Erleben gänzlich unterscheidet, Umstände wo keiner was dafürkonnte.

 

Ok Verbindung, Verbindung ist das, was man bei meinen Workshops erleben konnte und ich behaupte mal, dass ich das wirklich kann, aber Workshop und echtes Leben sind auch noch mal 2 Paar Stiefel.

 

Es dauerte Tage, wo ich Stunden vor dem Pferd saß und ich immer wieder Annäherung und Rückzug probierte. Meist hörte ich nach 2 Stunden auf und nach einer Woche verlor ich auch die Geduld und mein Verstand sagte mir, wenn es jetzt nicht funktioniert, dann musst du echt über Sedierung nachdenken.

Und wie ein Wunder, an diesem Tag ließ sie zu, dass ich mit Maschine ihre Hufe machen durfte. Großer Schritt in die richtige Richtung. Ich habe in Zeit auch gemerkt, sie wünscht sich so sehr die Nähe und kuscheln, aber schon nach kurzer Zeit, wo sie die Berührung zuließ, fing sie an zu schnappen.

 

Ihr Nervenkostüm lag blank. Durch die Erlebnisse in ihrem Fohlenleben, war sie traumatisiert. Ich zeigte ihr, dass ich mich sofort zurückzog, wenn es ihr zu viel wurde. Ich wusste es ist nicht persönlich gegen mich gerichtet, sondern ihr Muster sprang an. Das ganze Spiel geht jetzt über 3 ½ Jahre und ich musste erkennen, dass auch ich so behandelt werden möchte, wie ich mein Pferd behandle.

 

Ich wünsche mir eine Beziehung die auf Verbindung basiert. Und ich versuche den anderen genau so zu behandeln. Ich nehme Rückzug nicht persönlich und manchmal brauche ich auch viel mehr Zeit als ich eigentlich habe.

 

Dieses Pferd hatte mich ausgesucht, ich wollte nie einen Schimmel, aber ich konnte ihr nicht widerstehen. Sie verkörperte so viel Liebe, da stieg mein Verstand aus.

 

Wir sind alle traumatisierte Seelen und müssen uns anders begegnen, damit eine Beziehung auf Augenhöhe passieren kann. Das hat auch nichts mit dem Alter zu tun, denn die Jungen haben die gleichen Probleme. Anfangs dachte ich immer, dass ist halt so in einem gewissen Alter.

 

Es braucht eine Klarheit für sich selbst. Eine bewusste Entscheidung, besser gesagt eine bewusste Wahl und so viel Eigenliebe, dass man es nicht Persönlich nimmt, wenn mein Gegenüber einen Fehler macht. Denn Fehler machte ich bei meiner Stute viele, aber sie ist mir jeden Tag neu begegnet und hat sich wieder auf mich eingelassen.

 

Uns muss bewusst sein, dass wir nicht heil sind, aber durch eine nährende Verbindung heilen wir. Gegenseitig nähren, meist kommen wir aus einer Beziehung die einseitig war. Einer hat gegeben und einer genommen, doch wenn wir gemeinsam durchs Leben gehen möchten, müssen wir im Stande sein uns gegenseitig zu halten und halten heißt ich muss es aushalten, wenn es meinem Partner mal nicht gut geht.

 

Eine wirkliche gute Verbindung baucht Zeit und wir kommen langsam eher ans Ziel, als wenn wir auf der ersten Strecke uns überfordern. Und wer vielleicht joggen geht, weiß wenn man die erste Hürde überwunden hat, kommt man in so einen Flow, wo man das Gefühl hat man könnte ewig laufen.

 
 
 

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