• Angela Brückl

Die Verletzte


Wenn es laut Einstein keine Dunkelheit gibt, Dunkelheit ist Abwesenheit von Licht, dann wird das wohl auch für Trauma gelten. Ist Trauma dann Abwesenheit von Leben…

Mein Trauma war der Tod von Opa als ich 3 ½ Jahre war. Ich kann mich noch genau an die Szene erinnern als sie den Opa auf das Kanapee gelegt hatten. Er wurde auf dem Heuboden gefunden, er hatte wohl einen Schlaganfall…


Ich hatte meinen Opa wohl sehr geliebt und ich fand diese Liebe bei den Tieren und es wiederholte sich immer wieder das gleiche Spiel, ich musste mich immer wieder verabschieden, loslassen. Die Katzen wurden immer wieder überfahren, die Kühe und Kälber wurden verkauft. Alle meine Tiere verließen mich, solange bis ich kein Tier mehr zu mir ließ. Ich wollte als Kind immer ein Pferd, doch dieser Traum wurde mir nie erfüllt.

Die Wiederholung war immer die gleiche, ich ließ mich auf ein Tier ein und musste zwangsweise wieder Abschied nehmen. Bis ich dann wirklich kein Tier mehr wollte. Natürlich hätte ich mir jetzt meinen Pferdetraum erfüllen können. Ich schaute mir auch verschiedene Pferdeställe und Reitunterrichte an, aber ich fühle mich nirgends wohl.


Und so kam es, dass ich mit 37 Jahren von einem Hund zu 2 Katzenbabys geführt wurde. Das passte sehr gut, da ich ja auch 2 Kinder hatte und dann hätte jeder seine Katze. Ich sprach mich mit meinem Mann ab, und so fuhr ich mit den Kindern zur Bäuerin und jetzt schauten wir sie an, denn ich wusste genau, dass wir uns sofort in die Babys verliebten. Der erste Schock doch gleich 2 Tage darauf, wo wir die kleinen Katzen nochmal besuchten. Sie wurden mit Hand aufgezogen, da die Katzenmama sich nicht um die Kleinen kümmerte. Es war Leons Katze die kränkelte und auch am nächsten Tag verstorben ist. Leon nahm sich das ganze sehr zu Herzen. Jetzt musste ich mich intensiv mit Tod auseinander setzten. Ich konnte Leon nicht sagen, dass nach dem Tod alles vorbei ist, es musste eine andere Wahrheit geben. Ich beschäftigte mich mit seither mit Gott und so vielem mehr.

Wir bekamen dann Ende 2012 doch noch 2 Katzen, da zufällig noch eine kleine Mitze auf dem Hof war. Es waren 3farbige Katzen also Glückskatzen erzählte man uns. Unsere 2 Katzen Trixi und Lilly sollten nur im Erdgeschoß leben und nicht im Bett schlafen, aber diese Vorstellung wurde sehr schnell begraben. Die Katzen sind immer dort wo sie gebraucht werden.


Fast 2 Jahre später sollte das so Gefürchtete wahr werden, Lilly wurde überfahren. Es war ein sehr seltsamer Weg unserer Katze, sie wurde innerhalb eines halben Jahres 3mal angefahren. Einmal links, einmal rechts und dann frontal. Ich dachte immer sie wird doch jetzt Autos meiden. Es war fast so als wollte sie uns auf dieses Ereignis vorbereiten.

Wir heulten, ich heulte den ganzen Tag, meine Tochter konnte den Tod viel leichter nehmen, denn sie bekam eine andere Einstellung zum Tod und sah ihn nicht endgültig, bei mir kamen die alten Konditionierungen zum Vorschein, der endgültige Abschied, der große Schmerz und ich fühlte auch wie ich vor allem meinen Opa und all meine „verlorenen Tiere“ betrauerte und ich merkte auch wie sich eine Erleichterung die nächsten Tage breitmachte und die Tränen Heilung brachten.


Ein paar Wochen später schauten wir nach einer neuen Katze, wir führen zur Bäuerin, aber leider hatte sie keine Katzenbabys mehr, ein roter Kater wahr schon reserviert und eine andere Katze war verschwunden. Vielleicht war es besser, sonst ging es wieder von vorne an.


Ich konnte mein Herz offenhalten. Wir bekamen genau am Geburtstag meines Sohnes Bescheid, dass nun doch die verschwundene kleine Katze wieder da ist. Überraschender Weise schaut sie fast so aus wie die alte Lilly. Auf Wunsch meiner Tochter sollte sie wieder Lilly heißen. Wir tauften sie auf den Namen Lili (Licht und Liebe). Mit unserer neuen Lili tat sich auch die Chance auf Nachwuchs auf, denn sie war noch nicht sterilisiert.

Es war geplant, dass die Jungen abgegeben werden sollten, ich hatte sogar schon Anfragen. Aber als wir die 3 Miezen, eins schwarz, eins rot und eins getigert, sahen waren alle Vorsätze dahin. Jetzt leben 5 Freigänger-Katzen in unserem Haushalt. Natürlich hatte ich Bedenken, dass uns die Katzen übern Kopf wachsen und 5 Katzen einfach zu viel sind. Meine Entscheidung wurde sehr erleichtert, dass wir vorhatten auf den Hof umzuziehen, aber das war ja noch in weiter Ferne. Meine Befürchtungen haben sich alle ins Nichts aufgelöst. Ich hatte allerdings auch gelernt, dass man sich nicht gegen das Leben stellen konnte und es einfach leichter geht, wenn man mit den Emotionen mit schwimmen kann, sie bewusst fühlt, annimmt und somit heilt. Es gibt 2 Richtungen, Richtung Tod oder Richtung Leben. Ich habe mich für Richtung Leben entschieden.


Mittlerweilen habe ich den elterlichen Hof übernommen, habe einen Hund, 2 Pferde, einige Hühner und schaue entspannt der nächsten Heldenreise entgegen.

Angela Brückl

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