• Angela Brückl

Merliha – aus dem Meer entstiegen



WER BIN ICH

Jetzt bin ich Besitzerin dieses wunderschönen Hofes, doch wie soll sich der Hof tragen, warum habe ich die Führung bekommen. Was sind die Vorteile, was sind die Nachteile. Bekannte die schon ihr ganzes Leben dort verbracht hatten, sagten es sei das Hufeisen. Die weite Fläche eingesäumt mit Wald, erscheint mir genau die richtige Umgebung für einen Pferdehof. Die idyllische Umgebung schreit förmlich nach einer Herde, die in die Weite galoppiert.


DER RUF

Ich hatte mit meiner Einstellerin Unstimmigkeiten, dass sie es nötig findet, dass ein Hänger am Hof ist. Was grundsätzlich richtig ist. Ein Problem hatte ich allerdings, da sie den Hänger für Klinikbesuche dachte. Diese Vorstellung stößt bei mir auf großes unwohl sein. Habe ich doch vor meinen Augen, gesunde Pferde zu transportieren, wie beim Pferdekauf. Und genau das war jetzt der einzige Grund was momentan den Hänger rechtfertigen sollte. Genau dieser Gedanke hat sich die letzte Zeit ganz leise laut gemacht, dass ich noch kein eigenes Pferd, dass genau mich spiegelt, habe. Gedacht getan, schaute ich bei einem bekannten Leonharder-Gestüt, ob sie vielleicht eine schwarze Stute verkauften. Leider nicht, nur ein Pferd fiel mir auf, ein braunes mit weißen Behang, ein Wels Cob.


DIE WUNDE

Als ich heute auf dem Hof war, erschrak ich wie schlecht mein Haflingerpferd Arielle dastand -eine alte Hufrehe-. Erst vorgestern habe ich mich lange mit meinen beiden Haflingern beschäftigt. Bei Agnes, die eher meine männliche Seite spiegelt, wie sie den Kontakt zu mir suchte, was ich bei Arielle vermisste. Arielle steht für meine weibliche Seite, zu der ich irgendwie den Kontakt nicht so leicht finde. Diese Seite in mir die immer alles alleine macht und im stillen leidet. Irgendwie gelähmt, aber was sollte ich den jetzt machen. Der erste Gedanke war, dass es am Wochenende sogar schneien sollte, da ist wohl noch eine gewaltige Energie unterwegs. Ich konnte nichts tun, es war wie Ohnmacht – sch... – sch...- sch...


DAS ZIEL

Als ich heimfuhr übermannte mich die Tränenflut. Da ist mein Thema, das Loslassen. Warum passiert das gerade mir schon wieder. Sollte die Heilpraktikerin recht haben, dass ich keine Ahnung von Pferden hatte und so auch bei mir nicht alt werden konnten. Ganz zu schweigen von meiner Tochter, die sich um Arielle kümmert. Den Schmerz den sie erfahren sollte, wollte ich ihr ersparen. Warum musste schon wieder der Tod eines Tiere in unserem Leben Begleiter sein. Was sollte das Ganze.


DIE VERBINDUNG

Als die Tränenflut vorüber war, war ich sehr erleichtert. Es kam Klarheit in die ganze Sache. Mir viel wieder die Geschichte mit unseren Katzen ein. Da ging es ums Sterben und wiedergeboren werden. Genau wie in der Natur die auch im Herbst stirbt, in Winterschlaf geht und im Frühling neu geboren wird. Es ist der Kreislauf des Lebens. Es ist das natürlichste auf der Welt. Mir scheint nur der Mensch oder der menschliche Verstand hat ein riesen Problem damit.


DAS HERZ DER KREATUR

Auf einmal fiel mir das andere Pferd wieder ein. War es ein Wink des Schicksals, dass ich genau gestern, die Fuchsstute im Internet fand. Ok, ich rief an, es ist mittlerweile ausgebildet und kostet 4500 €. Ich hatte genau in diesem Moment 4000 € im Kopf. Das war für mich schon wieder erstaunlich, da ich überhaupt keine Ahnung hatte wie viel denn ein junges Pferd wert sei. Irgendwie gibt es doch irgendetwas, was der menschliche Verstand nicht erklären konnte. Wie auch die Tatsache, dass dieses Pferd Merliha gestern vor 4 Jahren auf die Welt kam. Als ich den Namen googelte wurde ich nochmal überrascht, er bedeutet: aus dem Meer entstiegen und die Starke. Hört sich ja super an, passt perfekt zu mir.


DIE ZERREISPROBE

Wenn doch nur nicht die Hufrehe von Arielle wären. Mir ist furchtbar übel, warum muss denn immer alles so schwer sein. Auch mein linker Arm macht schon länger Probleme, was kann nur die Bedeutung sein. Muss wirklich ein Pferd sterben, dass ich mir erlaube ein weiteres Pferd zu kaufen. Ich würde auch nur für mich dieses Geld ausgeben, bin ich es mir nicht wert. Brauch ich eine Rechtfertigung ein weiteres Pferd für mich zu kaufen. Sollte die Einstellerin tatsächlich ihre Pferde wo anders unterstellen, wäre ja dann Agnes alleine. Es ist doch der normale Lauf, dass Pferde sterben, aber schon mit 19 Jahren.


SCHEITERN

Es ist wohl so. Bevor mein Pferd ewig unter Schmerzen zu leiden hat, werde ich sie erlösen.


KATASTROPHE

Erst vor kurzen habe ich noch erzählt, wie zufrieden meine Hufpflegerin mit Arielle sei. Unmögliches war geschehen. Mein Pferd hat sich innerhalb einem Jahr, komplett erholt. Ich habe darauf geschworen, dass ich die Krankheit richtig deuten konnte und somit überflüssig war. Alle meine Philosophien platzen wie Seifenblasen.


HÖHEPUNKT

Am nächsten Tag hatte ich stallfrei, aber ich hatte keine Ruhe. Vielleicht musste ich mich in kürze von meinem Pferd trennen. Ich fuhr zum Hof, eigentlich in dem Wissen, dass alles richtig ist wie es kommt andererseits die Angst vor dem Abschied. Das Wetter war sehr schon, man konnte nicht glauben, dass es morgen schneien soll. Bin mir sicher die Verschlechterung hat nichts mit der Fütterung zu tun und wenn doch. Arielle hat es verdient, dass sie die letzten Tage glücklich ist. Meine Haflinger sind besonders glücklich, wenn sie fressen können. Ich begrüße meine Pferde, Arielle schaut nicht dem Tod nahe aus, sie stand normal da. Ich öffnete das Gatter. Arielle lief nicht perfekt, aber auf keinen Fall so, dass ich mit dem Schlimmsten rechnen muss.


AUSKLANG

Ich weiß nicht wie lange sie noch lebt, aber sie soll ein schönes Leben haben und das schmerzfrei. Zufällig bin ich am Wochenende am Chiemsee und ich werde mir die Stute Merliha anschauen.




Angela Brückl

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